V Interviews

INTERVIEWS imagofeminae.com WINTER 2013/2014 Nr. V

LISA TJALVE

 

in ihrem neuen Lieder-Album zusammen mit dem Pianisten Heinz Walter Florin präsentiert die Sopranistin Lisa Tjalve Lieder aus der Zeit der Spätromantik. In diesem Interview beschreibt sie warum sie sich mit der Spätromantik beschäftigt und was dieses gemeinsame Werk für sie bedeutet. Von Paiman Maria Davarifard

Lisa Tjalve ist nach Aussage der bedeutenden dänischen Zeitung BT „Dänemarks neue Opernhoffnung“. Ihre zahlreichen internationalen Anerkennungen und Preise belegen diese Aussage. Die dänische Sopranistin gewann den 1. Preis des Renate Holm- und Emmerich Kálmán Wettbewerbs und wurde mit der Gottlob Frick Ehrenmedaille ausgezeichet. Ihre Karriere führte sie weiter an die Komische Oper Berlin, die Salzburger Osterfestspiele und an Konzerthäuser wie die Berliner Philharmonie, das Berliner Konzerthaus,die Crown Hall Jerusalem und die Kölner Philharmonie. Dabei begegnete sie Dirigenten wie Claudio Abbado, Konrad Junghändel und Uri Segal, sowie den bedeutenden Regisseuren Peter Stein, Michael Hampe, Anthony Pilavacky und Jetske Mijnnsen. Sie musizierte gemeinsam mit Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Jerusalem Symphony Orchestra, dem WDR-Symphonie Orchester, dem Modern Art Ensemble und dem Orchester des dänischen Rundfunk. Jürgen Kesting, der bekannte Deutsche Kritiker beschrieb sie als eine Sängerin mit „blitzsauberen Koloraturen, feine dynamische Nuancen und mit der Anmut der Erscheinung einer wirklichen Belle“.

Lisa Tjalve Photo: Grøn & Grønborg Fotografi

image© 2013 ℗ Villa Artis Music

 

In der vorliegenden Einspielung zeigt Lisa Tjalve ihre Vorliebe und ihr Einfühlungsvermögen für das spätromantische und moderne Repertoire.

image©2013 ℗ Villa Artis Music

Photo: Grøn & Grønborg Fotografi

 

Heinz Walter Florin Pianist und Lisa Tjalve Sopran. Das Album "Lieder von Berg, Mahler und Schoenberg" ist ein gemeinsames Werk.

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Photo: Grøn & Grønborg Fotografi

image© 2013 ℗ Villa Artis Music

 

Von 2007-2010 war Lisa Tjalve regelmässig als Gast an der Alten Oper in Erfurt zu hören. Seit 2010 verbindet sie eine enge Zusammenarbeit mit der Zeitgenössischen Oper Berlin in etlichen Opern- und Musikfilm-Produktionen wie Ligetis „Nouvelles Aventures“.

 

imagofeminae: Was verbindet dich in diesem Werk mit der Spätromantik und der Moderne?

 

Lisa Tjalve: Ich denke, dass meine Seele recht romantisch veranlagt ist. „L´Amour" in der Musik spricht mich halt immer an. Die grossen Bögen in der spätromantischen Musik, wo man sich als Sängerin so richtig drin Baden kann, sind einfach SCHÖN und tun mir gut. Im Bezug auf moderne Musik mag ich grundsätzlich gerne, wenn eine Form auch gebrochen werden kann, wenn vielleicht ein Ton vorkommt, der nicht ganz ins Schema passt und eher unerwartet ist. Das findet man in der modernen, der sogenannten zeitgenössische Musik. Ich mag dass, weil ich das Gefühl habe mich selber dadurch auch moderner und aktueller im Hier und Jetzt zeigen zu können. Alles ist hierin, zumindest stimmlich gesehen, nicht so festgelegt.Die eingespielten Schönberg Lieder sind jedoch Lieder, die in meinen Augen gar nicht so modern sind. Wir befinden uns wie gesagt immer noch in der Endphase der Spätromatik. In der jüngeren Vergangenheit, wo Stockhausen und auch Boulez aktuell waren, haben wir es mit einer völlig anderen Klang-Vorstellung und Denkweise zu tun.

 

imagofeminae: Was beinhaltet die CD?

 

Lisa Tjalve: Auf der vorliegenden CD ist es gerade diese Grenze, wo die Musik noch eine Melodie hat, wo aber der Komponist sich auch wagt andere Klänge, als die „normalen“, zu suchen. Man kann hier eine Art von neuem „Suchen“ in der Musik spüren, was mir sehr gut gefällt. Ich bin selber ein suchender Mensch. Wenn ich was gelernt habe, suche ich wieder nach neuen Aufgaben. Ich kann eigentlich gar nicht still stehen. Es muss immer weiter gehen im Leben. Ich empfinde es so, dass wie hier auf der Erde einen Auftrag haben, den ich für mich zu erkennen und bestmöglichst zu erfüllen versuche. Dazu kommt noch, dass der Text für mich extrem wichtig ist. Die Texte zu den eingespielten Liedern sind enorm farbenreich. Viele Bilder entstehen dazu in meinem Kopf und ich hoffe sehr, dass dies auch für den Zuhörer zu hören ist. Es war z.B. im Gespräch das Mahler Lied „Das Irdische Leben“ aufzunehmen. Das habe ich dann abgelehnt. Ich möchte als Mutter nicht auf einer Einspielung über ein kleines Kind singen, welches stirbt, weil die Mutter nicht auf das Kind aufgepasst hat. Es würde mich zu sehr mitnehmen dieses Lied einzuspielen und immer wieder auf der Aufnahme hören zu müssen. Ich habe das Lied in Konzerten gesungen. Mir war aber immer schlecht danach. Die Auswahl der Lieder ist deshalb sehr genau überlegt.

 

imagofeminae: Wie war die Zusamenarbeit mit Heinz Walter Florin?

 

Lisa Tjalve: Mein Pianist und Produzent auf dieser Aufnahme ist Heinz Walter Florin. Wir haben uns schon in 2007 kennen gelernt, in dem Jahr, als ich den Renate Holm Preis gewann. Ich kannte ihn damals jedoch nur als Dirigent. Er ist allerdings, wie es z.B. auch bei Daniel Barenboim der Fall ist, ein hervorragender Dirigent und Pianist. Er hatte mich dazu eingeladen vor ca. 3 Jahren einen Dvorak Liederabend zu geben. Da dachte ich zunächst, ein Dirigent zu einem Liederabend? Wer begleitet mich eigentlich am Klavier? Dann war ich ganz schön erstaunt, als es sich herausstellte wie wunderbar Florin Klavier spielt, so unglaublich sensibel und sehr einfühlsam. Wir haben uns in der Musik gegenseitig im Herzen getroffen. So kann man das, glaube ich, sagen. Es ist eine musikalische Love-Story. Wenn wir zusammen Musik machen, schwebt es auf einer anderen Ebene. Ich kann nicht sagen warum, es ist einfach so. Ich bin sehr dankbar Heinz Walter Florin als musikalischen Duo Partner gefunden zu haben. Vieles macht um einiges mehr Freude, wenn beide in einem gemeinsam empfundenen Flow musizieren.

 

imagofeminae: Was für eine Bedeutung hat dieses Werk für dich?

 

Lisa Tjalve: Mir bedeutet diese CD sehr viel. Es ist eben die gemeinsame Konstellation, welche die CD in meinen Augen so besonders macht. Vor allem ist es wirklich mein Herz, was durch die Stimme spricht. Ich hoffe die Zuhörer empfinden es genauso. Das würde ich mir sehr wünschen. Später werde ich mich bei meiner Tochter bedanken. Ohne sie hätte meine Stimme nicht so geklungen. Sie ist der Juwel in meinem Herzen. Ein innerer Schatz, der mich als Sängerin auch komplett verändert hat. Zu diesem Zeitpunkt haben Tjalve & Florin bereits das 2. gemeinsame Album eingespielt im Auftrag der Witwe eines bekannten amerikanischen Komponisten. Welcher Komponist das ist und vor allem welche Musik, geben wir im Laufe des Jahres und spätestens bei der Erscheinung der CD bekannt. Nur so viel: Es ist dies mal eine ganz andere Richtung die zu hören ist!

 

imagofeminae: Danke Lisa für dieses Interview. Wir wünschen Dir viel Erfolg mit deiner neuen CD.

 

Das Interview führte Paiman Maria Davarifard

 

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