Interviews Nr. XIV

 

INTERVIEWS imagofeminae Spring 2017 Nr. XIV

ICH GEHE ZUM LICHT

Иду на свет

 

Ein Buch von Oxana Kalchenko

 

Ein Interview mit der Autorin

 

von Dipl.-Psych.Paiman Maria Davarifard

image: Oxana Kalchenko© Oxana Kalchenko

Oxana Kalchenko, Lehrerin, Schriftstellerin und angehende Kunsttherapeutin. Sie ist 35, kommt aus St. Petersburg, Russland und lebt und arbeitet in Berlin. Nach dem Verlust ihrer Tochter Alissa infolge einer unheilbaren genetischen Krankheit schrieb sie das Buch „Ich gehe zum Licht / "Иду на свет„. In diesem Interview spricht sie über die Hintergründe Ihres Buches, das aus Prosatexten und Gedichten in russischer Sprache besteht.

 

Sprachen: Deutsch - русский

 

image: Das Cover des Buches „Иду на свет" deutsch:"Ich gehe zum Licht“ von Oxana Kalchenko Erschienen bei imagofeminae DIGITAL PUBLICATION 2017.

A4 , Pdf Format 18 Seiten.

 

 

imagofeminae: Frau Kalchenko, in Ihrem Buch schreiben Sie in beiden Sprachen Deutsch und Russisch Kurzgeschichten, Erzählungen und Gedichte und dazu mit einem Titelbild das auch von Ihnen ist. Wie beschreiben Sie ihre litarerischen Werk?

 

OXANA KALCHENKO: Das Bild zu dem Buch entstand in einer Therapiesitzung. Damals ging es um meine Zerrissenheit zwischen Deutschland und Russland, Heimweh und darum, dass unser Kind eine Art Brücke zwischen diesen beiden Teilen von mir bauen wird. An dem Tag habe ich heftig geweint und wusste selber nicht, warum ich so einen starken Schmerz empfand. Im Nachhinein, nachdem wir Alissa verloren haben, haben sich diese Gefühle als eine Vorahnung herausgestellt.

 

imagofeminae: Wie war Ihre Beziehung zu Alissa?

 

OXANA KALCHENKO: Alissa hat mir Lieben beigebracht. Früher habe ich immer nur halb geliebt, weil ich Verlustängste hatte. Diesmal wusste ich nach der Diagnose ganz genau, dass ich mein Kind verlieren werde, aber ich habe mich auf sie eingelassen. Die Angst, sie zu verlieren, war kein Hindernis für meine Liebe zu ihr. Ich kannte es so, dass man den Schmerz vor sich schiebt und nicht zulässt. So haben das alle in meiner Familie gemacht. Meine Tante hat ihr Kind ebenfalls im 6. Monat verloren. Dieses Kind wurde nicht beerdigt und hat auch keinen Namen bekommen. Daran wird nicht erinnert. Mein Schmerz hat mich hingegen ganz gemacht, da ich ihn akzeptiert habe und nicht davon weggelaufen bin. Alissa ist zusammen mit anderen Sternkindern beerdigt und hat einen festen Platz in unseren Herzen. Deswegen war es mir besonders wichtig, das Buch über Alissa als Andenken an sie herauszugeben.

 

imagofeminae: Gibt das Buch Ihre eigenen Erfahrungen als Frau und Mutter wieder?

 

OXANA KALCHENKO: Mein Buch heißt wortwörtlich übersetzt:"Ich gehe zum Licht“. Im Russischen bedeutet das aber auch: „Ich komme auf die Welt“.

Der Titel ist doppeldeutig. Ein Kind kommt auf die Welt und verlässt diese gleich wieder. Manche sagen, die Sterbenden wurden das Licht am Ende eines Tunnels sehen und in diese Richtung gehen. Aber auch in mir ist durch den Verlust meiner Tochter ein Licht aufgegangen. Ich habe einen Orientierungspunkt bekommen, eine Art inneren Leuchtturm. Das Buch ist eine Mischung aus Gedichten und Prosatexten. Ich habe es auf Russisch geschrieben, denn es ist meine Muttersprache. Und ich bin eine Mutter. Das Buch besteht aus drei Kapiteln: Erwartung, Abschied und Geburt. Dies ist keine normale Reihenfolge. Ich musste mich aber von Alissa verabschieden, bevor sie überhaupt auf die Welt kam.

 

imagofeminae: Geburt und Verlust, sind dies Gedanken und Gefühle mit denen Sie sich in Ihrem Buch beschäftigen?

 

OXANA KALCHENKO: Nach der fatalen Diagnose stand ich vor der Entscheidung, ob ich das Kind bis zum Ende austrage oder die Entbindung vorzeitig einleiten lasse. Klaue ich meiner Tochter damit ein Stück von ihrem kurzen Leben? Ist es schon ein Leben im Bauch oder fängt es erst nach der Geburt an? Es war ein krasser Widerspruch, ihre Stöße in meinem Leib zu spüren und wissen, dass sie keine Überlebenschancen hat. Das hat mich verrückt gemacht. Und ich habe mich für mich entschieden.

 

Nach ihr blieb die Liebe…

 

imagofeminae: Wir danken für das Interview.

 

„Ich gehe zum Licht“ / Иду на свет

 

Auswahl der Texte aus dem Buch Иду на свет (Russisch mit deutscher Übersetzung)

von Oxana Kalchenko

 

Палитра жизни

 

Зеленый - цвет зарождающейся жизни -

сменяется Красным- цветом моей боли.

Синий - цвет нашей надежды и печали.

Черный - цвет твоей смерти и моей скорби.

 

Любовь светло-розовая.

Легкая как облако.

Нежная как перышко.

Огромная как вселенная.

 

Любовь по-прежнему со мной...

Это все, что мне осталось.

Это много или мало?

Розовый свет в конце туннеля...

Farben des Lebens

Grün – Farbe deines aufkeimenden Lebens

Rot – Farbe meines Schmerzens.

Blau – Farbe der Hoffnung und Trauer

Schwarz – Farbe deines Todes und meines Kummers

Liebe ist zartrosa.

Leicht wie eine Wolke.

Sanft wie eine Feder.

Groß wie das Universum.

Liebe bleibt bei mir…

Es ist alles, was mir bleibt.

Ist es viel oder wenig?

Rosa Licht am En de des Tunnels.

Сказка про Боль и Любовь

 

Жили-были в одной деревне две сестры - Боль и Любовь. Они были совсем не похожи друг на друга, и люди и подумать не могли, что это родные сестры. У Боли были густые черные волосы, и она всегда выбирала одежду темных, насыщенных цветов. Боль сразу видела, что у человека не так, и за это люди ее боялись и обходили кругом. А вдруг наступит невзначай на больное место?! Ну ее!

 

Любовь же все просто обожали и охотно приглашали к себе в дом. Эта легконогая блондинка с добрыми глазами и большим сердцем никого не оставляла к себе равнодушным! Рядом с ней всем становилось хорошо и тепло.

 

Боль переживала и завидовала сестре. Как люди не понимают, что мы не такие уж и разные?! Что мы обе нужны и важны? Как мне им показать, что я тоже хорошая и не желаю им зла? Случилось так, что у кузнеца и его жены погиб малолетний сын. Это был их первенец, долгожданное чудо, которого они любили всем сердцем и не хотели с ним расставаться. Кузнец выковал в память о мальчике статую и поставил ее в саду. Его жена каждый день приходила к статуе, приносила ей цветы, пела песни и рассказывала сказки. Рядом с ней всегда сидела Любовь и держала ее за руку. А Боль, как обычно, и на порог не пускали. И без нее тошно! Только вот почему-то жена кузнеца чахла день ото дня...

В отчаянии, спросил кузнец у Любви: "Скажи, что мы делаем не так? Мы помним и очень любим нашего мальчика. Почему же моей жене все хуже?!" Любовь ответила ему: "Я могу вам помочь. Но для этого мне понадобится моя сестра, Боль. И смотри, не мешай нам!" Пришлось кузнецу пригласить Боль в дом. Та тихо подошла к его жене, заглянула ей в глаза и увидела там свое отражение.

 

"Боже, как больно-о-о!" - забилась в рыданиях бедная женщина. "Я этого не вынесу!"

Кузнец рванулся было ей на помощь, но вспомнил о своем обещании не вмешиваться. Боль гладила его жену по голове и молчала, ведь никакие слова не могут утолить боль...

Тут Любовь спросила у плачущей женщины: "Как звучит твоя боль? Спой нам!" И женщина с Болью завели-заплакали свою песню, да так жалобно, что вся деревня залилась слезами, вспоминая о своих потерях. Им подвывали собаки в будках и ветер в трубах, а на улице пошел дождь. "А как звучит твоя любовь?!" - воскликнула, выждав подходящего момента, Любовь. Тут запели все трое - жена кузнеца, Любовь и Боль. И столько было в этой песне радости и света, что у всех людей в деревне на душе стало светло. Дождь закончился, и встала над деревней яркая, свежевымытая радуга надежды. С тех пор двери домов в той деревне были открыты обеим сестрам. То одна заглянет на огонек, то другая припожалует, а иногда и обе вместе. А сестры сидят по вечерам на завалинке у своего дома и тихонечно поют. Любовь поет с Болью. Боль поет с Любовью. Любо-дорого посмотреть!

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ICH GEHE ZUM LICHT Иду на свет Ein Buch von Oxana Kalchenko Ein Interview mit der Autorin von Dipl.-Psych.Paiman Maria Davarifard imagofeminae 2017 # XIV Berlin. ISSN 2195-2000 DNB

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